Rückfalluntersuchungen
Rückfall-Untersuchungen
Die noch im Aufbau befindliche Rubrik Rückfall-Untersuchungen soll dem interessierten Leser eine vertiefte Befassung mit der Frage ermöglichen, aus welchen Gründen und mit welcher Häufigkeit Straftäter rückfällig werden und inwieweit durch eine indizierte Therapien das Risiko eines Rückfalls reduziert werden kann.
Die Behandlungsinitiative Opferschutz setzt sich dafür ein, dass die bei gefährlichen Gewalt- und Sexualstraftätern zumeist vorliegenden Persönlichkeitsstörung während ihrer Inhaftierung behandelt wird, wenn eine solche Therapie erfolgsversprechend ist. Mit einer solchen Behandlung muss bereits zu Beginn der Haft begonnen und diese im Wege der ambulanten Nachsorge nach der Haftentlassung fortgeführt werden.
Denn durch eine erfolgreiche deliktsorientierte Behandlung kann erwiesenermaßen das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert werden. Dazu ein Beispiel: Bei einer allgemeinen Rückfallquote von 40 % - wie etwa bei Vergewaltigungen - können danach von 100 Straftaten zumindest 20 weitere Straftaten verhindert werden. Nach der nachfolgend abgedruckten Rückfall-Untersuchung des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) aus Zürich sind sogar lediglich 5% der auf diese Weise behandelten gefährlichen Gewalt- und Sexualstraftäter mit einem einschlägigen Delikt rückfällig geworden..
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Kriminelle Vorgeschichte |
Rückfall |
Rückfall Gewalt- / Sexualdelikt |
||
|
n |
% |
n |
% |
|
|
Nicht vorbestraft (N=91) |
17 |
18.7* |
3 |
3.3* |
|
Vorbestraft (N=196) |
96 |
49.0* |
31 |
15.80* |
|
Einschlägig vorbestraft (N=95) |
56 |
59.0* |
25 |
26.3* |
*Chi2: p < 0.05
Wenn nur einschlägige Vorstrafen betrachtet werden, bleibt der Befund bestehen: Während in der Gruppe der einschlägig vorbestraften Täter der Anteil der Rückfälligen bei 59% liegt und für Rückfälle mit Gewalt- und Sexualdelikten bei 26.3%, ist der Anteil in der Gruppe der nicht einschlägig vorbestraften bei 29.7% respektive 4.7%. Die genannten Zusammenhänge sind in Abbildung 3 graphisch dargestellt.
Abbildung 3: Rückfallraten in Abhängigkeit von der Delinquenzvorgeschichte

Rückfallraten in Abhängigkeit von Therapie-Parametern
Insgesamt befanden sich zum Zeitpunkt der Datenerhebung 49.8% der Täter in einer Therapie: 13.1% (n=37) nahmen an einer ambulanten Therapie beim Psychiatrisch-Psychologischen Dienst (PPD) des Justizvollzugs Zürich teil. Alle diese Therapien erfolgten unter einem deliktorientierten Fokus und wurden durch ein spezialisiertes Behandlungsteam durchgeführt.
Bei 29.8% (n=84) war eine ambulante Therapie bei einer anderen Institution in den Akten dokumentiert und bei 6% (n=17) ein stationärer Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus.
Gewalt- und Sexualstraftäter unterschieden sich nicht hinsichtlich der Häufigkeit mit der sie an einer Therapie teilnahmen.
Die Häufigkeitsangaben zu den einzelnen Therapiesettings können der Tabelle 2 entnommen werden.
Tabelle 2: Therapie PPD-intern und PPD-extern durchgeführt
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|
n |
% |
|
Keine Therapie |
144 |
51.1 |
|
Ambulante Therapie beim PPD |
37 |
13.1 |
|
Andere ambulante Therapie |
84 |
29.8 |
|
Andere stationäre Therapie |
17 |
6.0 |
|
Gesamt |
282 |
100 |
Therapie und Rückfallraten
Keine Therapie: Die Rückfallrate mit allgemeiner Delinquenz liegt bei den Nicht-Therapierten bei 36.1% (n=47) und somit etwas niedriger als der Durchschnitt aller Täter (behandelt und unbehandelt) und deutlich niedriger als die Rückfallrate der Extern-Therapierten.
Die Rückfallrate mit einem Gewalt- und Sexualdelikt liegt in der Gruppe der nicht behandelten bei 14.2% (n=15).
Extern durchgeführte Behandlung: Die Rückfallraten der extern (also nicht durch den PPD) behandelten Täter liegt hingegen bei 46.5% (n=52) für allgemeine Delinquenz und bei 14.9% (n=15) für Rückfälligkeit mit einem Gewalt- und / oder Sexualdelikt.
Tabelle 3: Rückfälligkeit stratifiziert nach Behandlung
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Rückfall |
|||
|
Allgemein |
Gewalt- / Sexualdelikt |
|||
|
|
n |
% |
n |
% |
|
Keine Therapie (N=144) |
52 |
36.1 |
15 |
10.4 |
|
Therapie: PPD (N=37) |
12 |
32.4 |
2 |
5.4 |
|
Therapie: Extern (Nicht-PPD) (N=101) |
47 |
46.5 |
15 |
14.9 |
Therapie PPD: Die Rückfallrate der durch den PPD behandelten Klienten liegt sowohl für allgemeine Delinquenz als auch für Rückfälle mit Gewalt- und Sexualdelikten unterhalb der Rückfallraten der Nicht-Therapierten und auch unterhalb der andernorts Therapierten Straftäter. So wurden von den durch den PPD behandelten Tätern 32.4% mit allgemeiner Delinquenz rückfällig und 5.4% mit einem Gewalt- und / oder Sexualdelikt. Tabelle Tabelle 12 und Abbildung 30 geben einen Überblick über die Rückfallraten bei unterschiedlichen Interventionsformen.
Abbildung 4: Rückfälligkeit stratifiziert nach Behandlung

Wenngleich die Rückfallraten der durch externe Institutionen behandelten Täter drei Mal häufiger rückfällig geworden sind als die durch den PPD behandelten Täter, ist dieser Unterschied nicht signifikant. Dies ist primär auf geringe Fallzahlen in den einzelnen Gruppen zurückzuführen. Je kleiner die Untersuchungspopulation ist, desto geringer ist auch die statistische Power und desto schwieriger ist es bei vergleichbarer Datenlage signifikante Ergebnisse zu erlangen.
Therapie und Rückfallraten: Stratifiziert nach Vorstrafe
Die durch den PPD therapierten Straftäter unterscheiden sich von den andernorts behandelten Straftäter nicht hinsichtlich der Häufigkeit, mit der sie vorbestraft sind.
Die Rate der vorbestraften Täter liegt bei den extern behandelten Tätern bei 67.3% (n=68) im Vergleich zu 61.1% (n=22) bei den durch den PPD behandelten Tätern.
Wenn der Zusammenhang zwischen Rückfallrate und Therapie getrennt für vorbestrafte und nicht vorbestrafte Täter angeschaut wird, ergibt sich folgendes Bild: Die Rückfallraten der durch den PPD therapierten Täter weisen sowohl bei den vorbestraften Tätern als auch bei den einschlägig vorbestraften Tätern niedrigere Rückfallraten auf, als die nicht oder durch externe Therapeuten behandelten Täter. Hingegen ist die Quote der durch den PPD behandelten Täter ohne Vorstrafe gegenüber den anderen beiden Gruppen erhöht. Die genauen Rückfallraten der vorbestraften und nicht vorbestraften Täter können Tabelle 4 entnommen werden.
Tabelle 4: Allgemeine Rückfälligkeit stratifiziert nach Vorstrafe und Therapie
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Rückfall |
|||||
|
Nicht vorbestraft |
Vorbestraft |
Einschlägig vorbestraft: |
||||
|
|
N |
% |
n |
% |
n |
% |
|
Keine Therapie |
7 |
16.3 |
44 |
44.0 |
20 |
46..5 |
|
Therapie: PPD |
4 |
28.6 |
7 |
31.8 |
5 |
41.7 |
|
Therapie: Extern (Nicht-PPD) |
5 |
15.2 |
42 |
61.8 |
30 |
79.0 |
In Bezug auf Rückfälligkeit mit Gewalt- und Sexualdelikten ist der Befund ähnlich: Die durch den PPD behandelten Täter weisen - ungeachtet der Vorstrafe die geringsten Rückfallraten auf (Tabelle 5 ).
Tabelle5: Rückfälligkeit mit Gewalt- oder Sexualdelikten stratifiziert nach Vorstrafe und Therapie
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Schwerer Rückfall |
|||||
|
Nicht vorbestraft |
Vorbestraft |
Einschlägig vorbestraft |
||||
|
|
n |
% |
n |
% |
n |
% |
|
Keine Therapie |
1 |
2.3 |
14 |
14.0 |
9 |
20.9 |
|
Therapie: PPD |
0 |
0 |
2 |
9.1 |
2 |
16.7 |
|
Therapie: Extern (Nicht-PPD) |
2 |
6.1 |
13 |
19.1 |
13 |
34.2 |
Rückfallprognose bei Gewalt- und Sexualstraftätern
Vortrag Dr. Märthesheimer - JVA Offenburg
vom 28.10.2011 beim IKN in Stuttgart
„Rückfallprognose bei Gewalt- und Sexualstraftätern“
Bedeutung von Prognoseinstrumenten
für die psychotherapeutische Praxis
Referentin: Frau Dr. Märtesheimer, Leiterin der Sozialtherapeutischen Anstalt der Justizvollzugsanstalt Offenburg
Erste Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie 2009 eingetroffen
Das Zürcher Modell und Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie
unter besonderer Berücksichtigung von Präventionsdefiziten in Deutschland
Erstellte und bislang unveröffentlichte Zusammenstellung der vorläufigen Ergebnisse der Zürcher Forensik-Studie Teil II aus 2009 des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Justizvollzugs des Kantons Zürich.
Zum Nachlesen als PDF:
Erste Ergebnisse der Zürcher-Forensik-Studie 2009
Abschlussbericht Rückfalluntersuchung PPD-Zürich 2007
Therapieevaluation und Prädiktorenforschung
Verfasst von: Jérôme Endrass, Astrid Rosegger, Frank Urbaniok
Stellungnahme des Fachausschusses für Modellversuche zum Schlussbericht
Zürcher Forensik Studie: "Therapieevaluation und Prädiktorenforschung"
Schlussbericht ForensikstudieZürich 2007.pdf (857.77 KB)
Therapie Evaluation.pdf (163.87 KB)
Verweis auf die Quelle (Internetadresse des Bundesamtes für Justiz: Schweiz)
http://www.bj.admin.ch/etc/medialib/data/sicherheit/straf_und_massnahmen/
ber-mv.Par.0064.File.tmp/schlussber-forensikstudie-zh-d.pdf
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