Stuttgarter Zeitung berichtet über BIOS

Am 10.12.2011 hat die Stuttgarter Zeitung unter dem Titel "Therapieren statt wegsperren" über BIOS berichtet. Der Artikel kann unter folgendem Link nachgelesen werden: 

 

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.praeventiver-opferschutz-therapieren-statt-wegsperren.ad240ee6-85de-40ec-8fd3-b0f90187578b.html

 

 

Stuttgarter Zeitung berichtet über BIOS/FAB

Unter dem Titel "Therapieren statt wegsperren" hat die Stuttgarter Zeitung am 10.12.2011 über BIOS/FAB berichtet. Der Artikel kann unter nachfolgendem Link aufgerufen werden: 

 

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.praeventiver-opferschutz-therapieren-statt-wegsperren.ad240ee6-85de-40ec-8fd3-b0f90187578b.html

 

 

 

Die Zeit hinter Gittern nutzen (stimme.de)

http://www.stimme.de/nachrichten/heilbronn/art16305,1221792


Die Zeit hinter Gittern nutzen

Von Nicole Amolsch

In der sozialtherapeutisch ausgerichteten Abteilung des Heilbronner Gefängnisses sollen Täter lernen, mit ihrem Gewaltpotenzial umzugehen.

Foto: Andreas Veigel

Heilbronn - Die Rückfallquote der Gewaltstraftäter deutlich zu reduzieren und mögliche Opfer zu schützen, das ist das Ziel des neuen Behandlungsprogramms der Justizvollzugsanstalt Heilbronn. Gestern gab Anstaltsleiter Ulrich Schlicher den Startschuss: „Wir haben den Bedarf für eine solche Abteilung schon länger gesehen, jetzt haben wir die finanziellen Mittel.“

Erfolg versprechen Zahlen aus der Behandlung von Sexualstraftätern nach vergleichbaren Mustern. Hier liegt die Rückfallquote nach bisherigen Erfahrungen bei unter zehn Prozent. Unbehandelte Täter werden dagegen zu 22 bis 25 Prozent rückfällig. „Wir gehen davon aus, dass wir auch bei den Gewaltstraftätern eine ähnliche Verbesserung erreichen können“, gab sich Ulrich Schlicher zuversichtlich.

Drei Trainer Zehn der derzeit etwa 150 wegen Gewalttaten verurteilten Häftlinge in Heilbronn durchlaufen neben einem langfristig angelegten Anti-Gewalttraining eine Gruppentherapie. „Wir bilden hierfür drei Anti-Gewalttrainer aus den Reihen unserer Mitarbeiter aus, die mit den Straftätern arbeiten“, so Schlicher. Ein externer Psychologe betreut die Täter zusätzlich in Einzeltherapien und begleitet sie nach ihrer Haftstrafe auch draußen weiter. Innerhalb der Gefängnismauern hat die JVA eine  sozialtherapeutisch ausgerichtete Abteilung eingerichtet, in der die Gefangenen zusammenwohnen. Die Kosten für dieses Projekt tragen das Land sowie die Behandlungsinitiative Opferschutz aus Karlsruhe.

Konfrontation „Es geht bei der Therapie nicht darum, wie es dem Straftäter persönlich geht“, erläuterte Hans-Alfred Blumenstein von der Behandlungsinitiative. Es gehe darum, ihn mit seinen Vergehen zu konfrontieren und Rückfälle zu verhindern.

Die Täter „nur einzusperren ist keine Erfolgsgarantie“, betonte auch Ulrich Goll, der baden-württembergische Justizminister. „Die Zeit der Strafverbüßung muss genutzt werden. Die Therapie hat hier ihren Platz.“ Auch wenn man sich im Klaren sein müsse, dass nicht alle behandlungsfähig seien.

„Wir nehmen vorrangig Täter in dieses Programm auf, die mehrfach durch Gewalt aufgefallen sind“, erläutert Schlicher. Die Reststrafe muss mindestens ein Jahr betragen, die Häftlinge müssen freiwillig teilnehmen und Deutsch sprechen. Darüber hinaus ist das Programm für die Strafgefangenen vorgesehen, die nach ihrer Entlassung weiter in Deutschland leben.

12.04.2008 00:00


Mehr Sicherheit durch Therapie (n-tv.de)

http://www.n-tv.de/893365.html




Experten zufolge reichen harte
Strafen alleine nicht aus
 
Sonntag, 16. Dezember 2007

Gewaltverbrecher
Mehr Sicherheit durch Therapie


Es sind grauenvolle Morde wie jener an der 16-jährigen Carolin im Sommer 2005, die Forderungen nach mehr Härte gegen Gewaltverbrecher seit Jahren Konjunktur verleihen. Forderungen, die längst erfüllt sind: Der Gesetzgeber hat die Strafen für Sexualdelikte deutlich nach oben geschraubt, und die Richter greifen härter durch - Haftstrafen über fünf Jahre für Vergewaltiger werden heute doppelt so häufig verhängt wie vor wenigen Jahren. Gegen den Mörder von Carolin, einen vorbestraften und dann nicht austherapierten Vergewaltiger, packte die Justiz gar das gesamte Instrumentarium aus: lebenslang, besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung.
 
Doch machen härtere Strafen die Welt wirklich sicherer? Die Expertenkritik am Trend zum Wegsperren wird lauter. Richter, Gefängnisleiter und Psychologen mahnen seit langem, dass sich eine psychische Störung des Täters nicht in Luft auflöst, nur weil er ein paar Jahre hinter Gittern verbracht hat. Und weil nur drei Prozent der Täter zu lebenslang verurteilt werden, verlassen die meisten irgendwann das Gefängnis - nicht selten als tickende Zeitbomben, wenn sie zuvor nicht behandelt und therapiert worden sind. Einige der Kritiker haben nun in Baden-Württemberg die "Behandlungsinitiative Opferschutz" gegründet: Mit drei Modellprojekten wollen sie die Therapiemöglichkeiten verbessern.
 
Zwei der Initiatoren, die beiden Karlsruher Strafrichter Klaus Böhm vom Oberlandesgericht und Axel Boetticher vom Bundesgerichtshof, erinnern an den Anfang der Carolin-Tragödie: Der Mörder des Mädchens war nach sieben Jahren Haft erst zwei Wochen vor der Tat entlassen worden. Jahrelang hatte er immer wieder hatte er eine Sozialtherapie beantragt, war aber als nicht therapiefähig eingestuft worden - erst ein Jahr vor seiner Entlassung begann die Behandlung. Zu spät, um den schwer persönlichkeitsgestörten Mann noch erfolgreich zu therapieren.




Carolin wurde 2005 von einem
vorbestraften und nicht austherapierten Vergewaltiger ermordet.

 

Dass Therapien kein Wellnessprogramm im Wohlfühlknast sind, sondern messbar Sicherheit schaffen, lässt sich wissenschaftlich belegen. Eine Studie des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes im Justizvollzug Zürich unter 300 Häftlingen stellte eine Senkung der Rückfallquote um 50 Prozent fest, wenn Täter mit einer speziell auf sie zugeschnittenen Therapie behandelt werden. Andere Untersuchungen, wie die des Psychiaters Hans-Ludwig-Kröber von der Berliner Charité, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.
 

Den in Zürich erprobten Ansatz einer "deliktsorientierten" Mischung aus Gruppen- und Einzeltherapie will die Behandlungsinitiative nun in Baden-Württemberg umsetzen. Vor kurzem wurde das Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Vollzugsanstalt Mannheim gestartet, am Freitag folgte Heimsheim mit einem Programm für Gewalttäter. Wenn auch das dritte Projekt in Heilbronn läuft, werden etwa 35 Täter für ein straffreies Leben in Freiheit geschult.
 
Das ist nicht viel. Allein wegen Sexualdelikten sitzen in Baden- Württemberg 450 Täter in Haft. Andererseits ist der Preis gering: Je 100.000 Euro für 2007 und 2008 hat die CDU-Landtagsfraktion aus ihren Haushaltsmitteln locker gemacht, etwa 20.000 Euro hat die Initiative eingeworben. Dennoch bleibt das vorerst ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn mehr als die Hälfte aller 8300  Strafgefangenen in Baden- Württemberg erhält überhaupt keine Behandlung, wie Böhm in einer Fachzeitschrift schreibt.
 
Bundesweit sind zwar in den vergangenen Jahren viele neue Plätze in speziellen sozialtherapeutischen Anstalten geschaffen worden. Schwierigkeiten bereitet den Therapeuten aber ein anderer Trend. In den letzten zehn Jahren haben viele Bundesländer sogenannte Vollzugslockerungen zusammengestrichen. Der offene Vollzug wurde in Hamburg auf weniger als ein Drittel zurückgefahren, ähnlich in Hessen, in Bremen hat sich die Zahl halbiert. Auch Hafturlaube werden reduziert - obwohl die ersten vorsichtigen Schritte in die Freiheit eigentlich zum therapeutischen Konzept gehören, wie der Leiter der Sozialtherapie im Gefängnis Lingen, Bernd Wischka, kritisiert: "Wir haben immer mehr Leute, die nicht auf ihre Entlassung vorbereitet sind."
 
Von Wolfgang Janisch, dpa

© n-tv.de

 

Therapie für Sexualstraftäter (stimme.de)

http://stimme.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/art1960,1128535


Therapie für Sexualstraftäter

Von Panja Schollbach
Hinter den orangefarbenen Zellentüren im
Behandlungszentrum der JVA Mannheim setzen sich
die Gefangenen mit ihrer Straftat auseinander.
Foto: AP
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Mannheim - Das neue Behandlungszentrum „Gewalt- und Sexualstraftäter“ im Mannheimer Gefängnis wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies für Straftäter. Die Gefangenen leben in wohnlichen, geräumigen Zimmern mit großen Fenstern und Vorhängen, die Zellentüren sind in einem warmen Orangeton gestrichen. Doch der erste Eindruck trügt. Die Fenster in dem Spezialtrakt sind vergittert, wenn die Türen hinter den Beamten ins Schloss fallen, werden die Schlüssel umgedreht.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt will durch eine zweijährige Therapie die Rückfallquote von Gewalt- und Sexualstraftätern senken. „Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz“, erklärt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim, Romeo Schüssler. „Der Preis, den die Gefangenen für die schönen Hafträume bezahlen, ist, sich intensiv mit ihrer Straftat auseinanderzusetzen “, betont der Jurist. Er warnt vor voreiligen Schlüssen: „Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo.“

Keine Pädophilen Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter, die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Darunter seien aber keine Pädophilen.

Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, war Überzeugungsarbeit nötig. „Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist - es wäre keiner in dieser Abteilung“, sagt Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Er ist einer von drei Psychotherapeuten, die mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln. Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen.

Auf Anregung der „Behandlungsinitiative Opferschutz“ hatte der Landtag 200 000 Euro zur Behandlung gefährlicher Straftäter in Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt. Nach Mannheim fließen rund 70 000 Euro. Für das Zentrum wurde ein Stockwerk des alten JVA-Wirtschaftsgebäudes umgebaut. Nun stehen vier Einzel- und vier Gemeinschaftszellen, eine Küche und ein Gruppenraum zur Verfügung .

„Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie“, so Freunscht. „Unsere Therapie findet auch zwischen den Sitzungen statt. Die neuen Erkenntnisse muss man im Alltag umsetzen können.“ Im ersten Teil sollen soziale Kompetenzen erworben werden. Die zweite Etappe werde steiniger, prophezeit der Psychologe. „In der Gruppentherapie ist der Straftäter gezwungen, in sich hineinzusehen und das Deliktszenario in Einzelteilen vor den anderen Teilnehmern darzustellen.“ Für die meisten ein Problem. „Diejenigen, die sich die Tat eingestehen, sind der Meinung, dass das nie wieder vorkommt.“ Oft eine Fehleinschätzung mit Folgen. Impulskontrolle und der Umgang mit Aggressionen stehen unter anderem auf dem Therapieplan.

Nachsorge „Von der Therapie erwarte ich mir die Antwort auf die Frage Warum?“, sagt ein Bewohner. Wegen versuchter Vergewaltigung seiner Frau wurde der 42-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt. In Zukunft will sich die JVA auch um die Nachsorge der Straftäter kümmern. „Wir wollen eine Ambulanz einrichten, um die Betreuung der Straftäter auch nach der Haftentlassung fortsetzen zu können“, so Schüssler.

Copyright © 2007 by stimme.de

Badische Zeitung vom 29.11.2011 - Neuer Stützpunkt der Forenischen Ambulanz Baden in Freiburg

Neuer Stützpunkt der Forensischen Ambulanz Baden in Freiburg

Vergangenes Jahr war das Problem plötzlich da: Als ehemalige Sicherungsverwahrte aus der Freiburger Justizvollzugsanstalt entlassen wurden, gab’s für sie keine Möglichkeit, schnell in der Umgebung einen Therapieplatz zu bekommen. I

In solchen Situationen hilft jetzt der Behandlungsstützpunkt Freiburg der Forensischen Ambulanz Baden, der gestern in den Räumen der "Neustart"-GmbH in der Dreisamstraße offiziell eröffnet wurde.

Es ist ein Gemeinschaftswerk: Die vorrangig für Bewährungshilfe zuständige "Neustart"-GmbH bietet zum Einstieg die Räume, die Forensische Ambulanz Baden unter der Trägerschaft der Behandlungsinitiative Opferschutz (Bios) stellt Psychotherapeuten. Zurzeit sind es zwei, die je einen Tag in der Woche Behandlungen für derzeit sieben Patienten anbieten. Alles ist erst im Aufbau, betont Peter Wack von der Freiburger "Neustart"-Niederlassung. Für bis zu 80 der landesweit 1000 Sexualstraftäter könnte die Freiburger Anlaufstelle in Frage kommen. Dann müsste die Ambulanz sich Extra-Räume suchen – die jetzigen sind für sie mietfrei.

Der nächstgelegene Standpunkt der Forensischen Ambulanz war bisher in Offenburg, dort werden momentan 15 Patienten betreut, meist sind es mehr. Die Patienten wechseln oft, weil einige der nach Jahrzehnten entlassenen ehemaligen Sexualstraftäter nicht sofort für eine Therapie bereit sind. Über die "Vorstellungsweisung" des Gerichts werden sie jedoch dazu verpflichtet, sechs Monate lang eine Therapie "auszuprobieren". Daran kann eine dauerhafte Psychotherapie angeschlossen werden. Häufig genüge dieses halbe Jahr aber nicht, um genügend Motivation zur Therapie zu wecken, kritisieren Peter Wack, der Bios-Vorsitzende Klaus Böhm und "Neustart"-Geschäftsführer Georg Zwinger übereinstimmend. Sie plädieren dafür, die Sechs-Monatsfrist – ähnlich wie in anderen Bundesländern – zu verlängern, in der festen Überzeugung, dass eine möglichst erfolgreiche Behandlung der Täter der beste Schutz für eventuelle neue Opfer ist. Aus diesem Grund hatte sich "Bios" 2008 gegründet, bilanziert Klaus Böhm, und deshalb wollte die Initiative eine Lösung für das Problem finden, dass einstigen Straftätern die Therapie erschwert wird, wenn sie extra in eine andere Stadt fahren müssen.


Denn eines hatte sich schnell gezeigt: Niedergelassene Freiburger Psychotherapeuten waren nicht bereit, Patienten mit einer Vorgeschichte als Sexualstraftäter in ihren Praxen zu behandeln. Geeignete Therapeuten zu finden, ist schwierig: Nicht nur wegen des inneren Konflikts, der sich für diejenigen ergibt, die Opfer sexueller Gewalt behandeln, die dauerhaft Probleme haben. Groß ist auch die Furcht vor erhitzten Reaktionen der Öffentlichkeit. Und nicht zu vergessen brauchen sie spezielle Qualifikationen. Von den beiden in Freiburg arbeitenden Therapeuten fährt einer extra aus Rheinland-Pfalz an, der andere arbeitet in der Umgebung und fühlt sich in den "neutralen" Räumen von "Neustart" geschützt.

 

Autor: Anja Bochtler

Täter-Therapie als Opferschutz - PZ-News

http://www.pz-news.de/Home/Nachrichten/Suedwest/Taeter-Therapie-als-Opferschutz-
_arid,78133_puid,1_pageid,26.html

Täter-Therapie als Opferschutz

 


Das Rückfallrisiko bei Gewalt- und Sexualstraftätern mindern will die „Forensische Ambulanz Baden“, die gestern in Karlsruhe offiziell eröffnet wurde.
Foto: Deck, dpa
 

KARLSRUHE. Das Land Baden-Württemberg baut die Therapie-Angebote für entlassene Gewalt- und Sexualverbrecher aus. In der Fächerstadt Karlsruhe wurde gestern die „Forensische Ambulanz Baden“ eröffnet.

Gefährliche Straftäter werden dort auch nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis psychotherapeutisch und psychiatrisch behandelt. Dies sei ein entscheidender Beitrag zu mehr Sicherheit, sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP).

Ähnliche Projekte gibt es bisher in den Justizvollzugsanstalten (JVA) Mannheim, Heimsheim und Heilbronn; eine erste Psychotherapeutische Ambulanz existiert seit 1998 bei der Bewährungshilfe Stuttgart. Therapie sei Opferschutz und senke das Rückfallrisiko, sagte Goll. Auch der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Stefan Mappus, sprach von einem „messbaren Sicherheitsgewinn“ durch solche Behandlungsangebote. Goll räumte ein, dass trotz des Ausbaus von Therapieangeboten in den vergangenen Jahren „noch nicht die Grenze erreicht ist, an der wir sagen können, nun haben wir genügend Möglichkeiten“. Im nächsten Jahr werde sich die Lage durch eine sozialtherapeutische Abteilung mit 60 Plätzen in der neuen JVA Offenburg weiter verbessern. Die „Forensische Ambulanz Baden“ hat bereits im Juni die Arbeit aufgenommen und behandelt derzeit rund drei Dutzend Gewalt- und Sexualstraftäter. Sie wurde von der „Behandlungsinitiative Opferschutz“ (Bios) ins Leben gerufen, einem 2005 gegründeten Zusammenschluss aus Richtern, Staatsanwälten, Therapeuten und Wissenschaftlern. Die Karlsruher Einrichtung ist bereits das vierte Projekt der Initiative. Goll bescheinigte ihr eine „erstaunliche Energieleistung“.

Laut Mappus, auf dessen Initiative das Land der Bios eine Anschubfinanzierung gewährt hatte, schließt die Forensische Ambulanz eine konzeptionelle Lücke bei der Nachsorge für entlassene Straftäter: „Wir werden sie auch weiterhin unterstützen, weil das einen Gewinn für die innere Sicherheit bedeutet.“

Die Karlsruher Generalstaatsanwältin Christine Hügel wies darauf hin, dass die Zahl der Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren stark gestiegen sei. Deswegen sei es wichtig, durch Therapien die Rückfallgefahr zu senken. „Wegsperren allein bringt nichts.“

Copyright © 2008 Pforzheimer Zeitung / PZ-news.de

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Sozialtherapie für Sexual- und Gewaltstraftäter (swr.de)

http://www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=3383770/1ksn2so/index.html


 Sozialtherapie für Sexual- und Gewaltstraftäter

Eine neue Abteilung für Sozialtherapie soll im Heilbronner Gefängnis die Rückfallquote von Gewaltstraftätern senken. Eine soziale Wiedereingliederung sei der wirksamste Schutz vor weiteren Rechtsbrüchen, sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP), der das Pilotprojekt vorstellte.



Teilnahme an der Therapie freiwillig
Die neue Abteilung in Heilbronn wird laut Goll auf zehn Plätze angelegt und ergänzt das sozialtherapeutische Gesamtkonzept des Landes-Justizvollzugs. Finanziert werde das Pilotprojekt durch das Land und durch die 2005 gegründete "Behandlungsinitiative Opferschutz".

Die Justizanstalt Heilbronn hat mit Sozialtherapie von Sexualstraftätern eine über zehnjährige Erfahrung.

Der Eintritt in die speziellen Wohn- und  Behandlungsabteilungen für Sexual- und Gewaltstraftäter sei freiwillig, sagte ein Gefängnissprecher. Es würden drei Anti-Gewalttrainer ausgebildet, die in den bis zu zweijährigen Maßnahmen mit den Straftätern arbeiteten.

Das Heilbronner Modell ist, nach Mannheim und Heimsheim, das letzte Pilotprojekt im Strafvollzug, das mit zusätzlichen Landesmitteln finanziert werde, sagte Goll.

Wegsperren allein reicht nicht (pforzheimer-zeitung)

Pforzheimer Zeitung

Wegsperren allein reicht nicht

Spezielle Therapie soll die Rückfallquote schwerer Gewalttäter verringern – Landesweiter Modellversuch auch in Heimsheim


Die Psychologen Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg wenden im Heimsheimer Knast eine neuartige kombinierte Einzel- und Gruppentherapie an, um knapp zehn schwere Gewalttäter nach der Entlassung vor einem Rückfall zu bewahren.  Foto: Seibel


HEIMSHEIM Die Zahl der Gewaltstraftaten in Baden-Württemberg ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen. Ein Pilotprojekt im Heimsheimer Gefängnis für schwere Gewalttäter soll die Rückfallquote senken.

PZ-REDAKTEUR
RALF STEINERT

Zwei Richter aus Pforzheim, die sich in der Initiative Opferschutz engagieren, haben den landesweiten Modellversuch in den Gefängnissen in Heimsheim, Mannheim und demnächst in Heilbronn auf den Weg gebracht. „Psychologen versuchen mit einer kombinierten Einzel- und Gruppentherapie, Sexualstraftäter und schwere Gewalttäter vor einem Rückfall zu bewahren“, sagen Hermann Meyer und Klaus Michael Böhm. „Wir wollen verhindern, dass es nach der Entlassung erneut Opfer gibt“, so Meyer, Vorsitzender Richter der Pforzheimer Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe, und Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe.

Die Schweiz als Vorbild

„Das darf doch nicht wahr sein“, sagten Meyer und Böhm, als sie entdeckten, dass es keine spezielle Therapie für Gewalttäter gibt. Die Behandlung von Straftätern diene nicht nur der Wiedereingliederung, sondern vor allem dem Opferschutz. Die Schweiz sei auf diesem Weg weiter als Deutschland. „Eine Studie des psychiatrisch-psychologische Dienstes im Justizvollzug in Zürich hat gezeigt, dass die Rückfallquote sogar halbiert werden kann, wenn die Täter ihre Straftat therapeutisch aufarbeiten“, sagt Klaus Michael Böhm. Nur die wenigsten Straftäter bleiben lebenslang im Knast. Die meisten kommen wieder raus, doch die Persönlichkeitsstörungen haben sich nicht in Luft aufgelöst. Wegsperren allein genügt nicht.

„In Zürich erhält jeder gefährliche Straftäter, der behandlungswillig und -fähig ist, bereits zu Beginn der Haft eine Therapie, die individuell auf ihn zugeschnitten ist“, lobt Böhm das Schweizer Konzept. Hierzulande fehle es in Zeiten leerer Kassen am Geld, ähnliche Behandlungskonzepte einzuführen. „Das darf doch nicht wahr sein“, sei es auch dem Pforzheimer Stefan Mappus entfahren, als Hermann Meyer mit ihm über die Lücke im Vollzug sprach. Mappus, Chef der CDU-Landtagsfraktion, handelte schnell – und die Regierungskoalition machte für die Jahre 2007 und 2008 jeweils 100 000 Euro für ein Pilotprojekt in drei baden-württembergischen Gefängnissen locker.

Jetzt musste auch die Opferschutz-Initiative schnell schalten. Richter, Staatsanwälte, Psychologen, Rechtsanwälte und Mitarbeiter im Vollzug, die in der Basisbewegung aktiv sind, tauschten ihre Ideen via Internet aus, um das Modell zu starten. Im November begann in Mannheim das Projekt für Sexualstraftäter, gestern war Heimsheim an der Reihe. „Erstmals können wir Tätern, die eine über vierjährige Strafe verbüßen, eine passende und Erfolg versprechende Therapie anbieten“, sagte Gefängnisleiter Hubert Fluhr. Die Behandlung ist kein Zuckerschlecken für die Knackis. „Nicht jeder ist dafür geeignet“, so Fluhr. Die externe Diplom-Psychologin Maria Friederike Köhler und Bert Mäckelburg, Psychotherapeut im Heimsheimer Gefängnis, betreuen zwei Jahre lang knapp zehn Täter. Beide leiten gemeinsam die wöchentliche Gruppentherapie. Köhler übernimmt einmal pro Woche die Einzeltherapie.

PZ Modellversuch Straftäter Heimsheim.pdf (545.59 KB)

Neues Therapiezentrum für Gewalttäter in Mannheim (neuro-online.de)

http://www.neuro-online.de/news/kliniken_praxen/,
navigation_id,151,artikel_id,115345,_psmand,8.html


Täter und Tat - Neues Therapiezentrum für Gewalttäter in Mannheim

16.11.2007 MANNHEIM (dpa/lsw) - Das neue Behandlungszentrum "Gewalt- und Sexualstraftäter" im Mannheimer Gefängnis wirkt auf den ersten Blick wie ein Paradies für Straftäter. Die Gefangenen leben in wohnlich eingerichteten, geräumigen Zimmern mit großen Fenstern und Vorhängen, die Zellentüren sind in einem warmen Orangeton gestrichen. Doch der erste Eindruck trügt.


Die Fenster in dem Spezialtrakt sind vergittert, abends werden die Schlüssel umgedreht, die schweren Zellentüren fallen hinter den Beamten ins Schloss.

Das bundesweit einzigartige Pilotprojekt, das am Donnerstag nachmittag mit der Eröffnung des Zentrums an den Start gehen sollte, will durch eine spezielle Therapie die Rückfallquote von Sexualstraftätern und anderen Gewalttätern senken. "Unser Ziel ist Prävention und Opferschutz", erklärt der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Mannheim, Romeo Schüssler. "Der Preis, den die Gefangenen für die schönen Hafträume bezahlen, ist sich intensiv mit ihrer Straftat auseinanderzusetzen", betont der JVA- Chef. Der Jurist warnt vor voreiligen Schlüssen: "Das Behandlungszentrum ist kein Streichelzoo"

Die ersten Patienten sind zehn Sexualstraftäter die wegen Vergewaltigung und Kindesmissbrauch zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und sechs Jahren verurteilt wurden. Unter den Teilnehmern der auf zwei Jahre ausgelegten Therapie seien aber keine Pädophilen, sagt Schüssler.

Um die Verurteilten für die Therapie zu gewinnen, war im Vorfeld viel Überzeugungsarbeit nötig. «Es ist keiner aus ureigenstem Antrieb gekommen. Wären wir als Therapeuten nicht zu den Gefangenen gegangen und hätten erklärt, dass die Therapie gut für sie ist - es wäre definitiv keiner in dieser Abteilung», sagt der Diplom-Psychologe Matthias Freunscht. Der JVA- Therapeut ist einer von insgesamt drei Psychotherapeuten, die das Projekt betreuen und mit den Gefangenen präventive Strategien entwickeln.
Das Ziel: ein Leben ohne Straftaten möglich machen.

Auf Anregung der «Behandlungsinitiative Opferschutz» hatte der baden-württembergische Landtag 200 000 Euro zur Behandlung gefährlicher Straftäter in Mannheim, Heimsheim und Heilbronn zur Verfügung gestellt. In die Justizvollzugsanstalt Mannheim fließen davon rund
70 000 Euro. Für das Behandlungszentrum wurde ein Stockwerk des alten JVA-Wirtschaftsgebäudes umgebaut, nun stehen vier Einzel- und vier Gemeinschaftszellen, eine Küche und ein Gruppenraum zur Verfügung - Platz für zwölf Teilnehmer.

"Das Wesentliche an der Therapie ist der Wohngruppenvollzug und die Kombination von Einzel- und Gruppentherapie", so Freunscht. "Unsere Therapie findet auch zwischen den Sitzungen statt. Die neuen Erkenntnisse muss man im Alltag mit den anderen umsetzen können." Die Mannheimer JVA habe bisher vor allem Einzeltherapien angeboten. "Das ist oft wie eine Turnübung im luftleeren Raum", glaubt Freunscht.

In einem ersten Teil der Therapie soll es um den Erwerb sozialer Kompetenzen gehen. Die zweite Etappe werde steiniger, prophezeit der Psychologe. "In der Gruppentherapie ist der Straftäter gezwungen, in sich hineinzusehen und das Deliktszenario in Einzelteilen vor den anderen Teilnehmern darzustellen." Für die meisten ein Problem.
"Diejenigen, die sich die Tat eingestehen sind der Meinung, dass das nie wieder vorkommt." Oftmals eine Fehleinschätzung mit Folgen. Impulskontrolle und der Umgang mit Aggressionen stehen unter anderem auf dem Therapieplan.

"Von der Therapie erwarte ich mir die Antwort auf die Frage Warum?", erklärt einer der neuen Bewohner des Behandlungszentrums.
Wegen versuchter Vergewaltigung seiner Frau wurde der 42-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

In Zukunft will sich die größte Haftanstalt im Land nicht nur um Prävention, sondern auch um die Nachsorge der im Behandlungszentrum therapierten Straftäter kümmern.
"Wir wollen eine Ambulanz einrichten, um die Betreuung der Straftäter auch nach der Haftentlassung fortsetzen zu können", betont JVA-Chef Schüssler.

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Therapieren ist billiger als Wegsperren

"Therapieren ist billiger als Wegsperren" 

Karlsruhe (epd). Die Diskussion um das deutsche Strafrecht zur nachträglichen Sicherungsverwahrung ist in den vergangenen Jahren immer wieder durch den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Brüssel gerügt worden. Was dazu führte, dass das Bundesverfassungsgericht im Februar 2011 die komplette Rechtssprechung der vergangenen Jahre zu diesem Thema kippte. Jetzt liegt eine Studie aus der Schweiz vor, wonach im Kanton Zürich durch eine konsequente psychotherapeutische Behandlung die Rückfallquote bei Gewalt- und Sexualstraftätern um mehr als 60 Prozent gesunken sei und sich dadurch sehr viel Geld einsparen ließe.

"Das ist ein fantastisches Ergebnis", meint der Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe, Klaus Böhm. Seit Jahren fordert er mit der in Karlsruhe ansässigen Opferschutzinitiative BIOS in Baden-Württemberg, dass das deutsche Strafrecht im Umgang mit Schwerstkriminellen verändert werden müsse. So wie in der Schweiz, wo ein Richter die Verpflichtung zur umfangreichen Begutachtung von Gewalt- und Sexualstraftätern und etwaige therapeutische Maßnahmen schon in der gerichtlichen Hauptverhandlung anordnen kann.

"Das gibt es in Deutschland nicht, wird aber mit Sicherheit in zwei bis drei Jahren von Brüssel kommen", prognostiziert Böhm. Im März 2009 hatte die Initiative dem Bundesjustizministerium ein Memorandum zur Verbesserung des präventiven Opferschutzes vorgelegt mit all diesen Forderungen, derzeit werde es in den entsprechenden politischen Gremien diskutiert. In dem Memorandum weist der Verein auch darauf hin, dass die Kosten für eine frühe therapeutische Behandlung wesentlich geringer seien als bei einer Rückfälligkeit mit anschließenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen und einer erneuten Inhaftierung.

Bei einem Vortrag in Freiburg habe man ihm im vergangenen Jahr "inhaltlich zwar recht gegeben", ihn zugleich aber darauf hingewiesen, dass eine Gesetzesänderung in Deutschland nur möglich sei, "wenn es auch viel Geld einspart". Die Zürcher Studie belegt nun diese BIOS-These. In der Schweiz wurden aufgrund der dort seit 1997 konsequent durchgeführten psychotherapeutischen Behandlungen von straffällig gewordenen Gewalt- und Sexualstraftätern in oder außerhalb des Strafvollzugs die ansonsten angefallenen Haftkosten um mehr als die Hälfte reduziert, die Rückfallquote dieser Straftäter sank um 63 Prozent auf nun nur noch drei Prozent.

"Mit Wegsperren ist es nicht getan", sagt auch der 72-jährige Manfred Lautenschläger. Auch ein Schwerstkrimineller wie Gewalt- und Sexualstraftäter sei ein Mensch, um den man sich kümmern müsse, ist der gebürtige Karlsruher und deutsche Unternehmer überzeugt. Deshalb will er "den Finger in die Wunde legen und der Politik noch mehr den Spiegel vor Augen halten".

Mit einer sechsstelligen Summe unterstützt die Manfred Lautenschläger Stiftung den Opferschutzverein deshalb beim Aufbau zweier Behandlungsabteilungen in den Justizvollzugsanstalten Adelsheim und Offenburg. Wenn ein aus der Sicherheitsverwahrung entlassener Straftäter durch die nachträgliche Bewachung "rund eine halbe Million Euro im Jahr" koste, eine erfolgreiche Therapie aber nicht mal ein Zehntel, dann schüttelt der Wirtschaftsexperte nur den Kopf. "Jeder Investor würde hier anlegen, wenn er weiß, dass man jährlich mehrere Millionen Euro einspart", sagt Lautenschläger.

Therapieren ist billiger als wegsperren - Karlsruher Opferschutzinitiative sieht in neuen Therapieansätzen für gefährliche Gewalt- und Sexualstraftäter eine riesige Kostenentlastung

 

Von Ralf Schick (epd) (1593/15.07.2011)

  

 

 

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