Zweiter Verlaufsbericht JVA-Bruchsal

Zweiter Verlaufsbericht JVA-Bruchsal

Zweiter Verlaufsbericht zur BPG-Gruppe in der JVA Bruchsal

(des externen Psychotherapeuten)

 

 

 

Sehr geehrter Herr Böhm,

 

das BPG (Behandlungsprogramm für Gewaltstraftäter gemäß Steven Feelgood) startete am 17.6.2010 in der Behandlungsabteilung der JVA Bruchsal; vorgeschaltet war so zu sagen ein „Warm up“ für die Gruppenteilnehmer, um die Gruppenzusammengehörigkeit und Arbeitsbereitschaft der einzelnen miteinander usw. zu forcieren.

 

Inzwischen fanden insgesamt 42 Treffen der BPG-Gruppe statt.

 

Berichtet wird nun über die Zeit seit der letzten Berichtlegung Mitte November 2010. Seitdem fanden weitere 23 Doppelstunden BPG, weiterhin donnerstags von 13.00 Uhr bis 15.00 Uhr statt. (Diese Angabe bezieht sich rein auf die Zeit in der Gruppe, ohne Vor- und Nachbereitung, Protokollierungen, Absprachen usw.).

 

Am 18.11.2010 wurde die Gruppengröße auf 6 erhöht, indem 2 neue Teilnehmer nach entsprechenden Vorgesprächen, Motivationsklärungen usw. aufgenommen werden konnten.

Besonders der bereist zuvor erwähnte relativ narzisstisch geprägte Teilnehmer, Herr Lu., äußerte sofort erhebliche Zweifel an der Integrität und Vertrauenswürdigkeit der beiden neuen Teilnehmer. Er meinte, er könne jetzt nicht mehr offen und ehrlich sein, während die anderen Teilnehmer abwartend und neutral, teils auch positiv-neugierig auf die neue Situation reagierten. Bevor aber das neue Modul „Aggressionsbewältigung (AB)“ begonnen wurde, hatten daher die beiden neuen Teilnehmer Gelegenheit, sich vorzustellen, ihre Motive und Hoffnungen über das BPG zu äußern, und in die Gruppe zu finden, während sich rasch zeigte, dass die Gruppe, und natürlich auch Herr Lu., zur Integration der „Quereinsteiger“ gut in der Lage war. Der „neue Wind“ konnte sogar positive Impulse für die Arbeitssituation mit sich bringen. Der Lern-Nebeneffekt dieser Veränderung der Gruppengröße mit entsprechenden 'Vorab-Sorgen', die sich nicht bestätigten, war, dass die Teilnehmer erkennen konnten, dass Gelassenheit oft am weitesten führt.

 

Herr La., (FAB-AZ: 225/10), integrierte sich zügig gut, zeigte relativ schnell Vertrauen in die Gruppe und ging mit wertvoller Offenheit gleich vorbildlich voran. Er wurde meistens als authentisch und wertvoll für die Gruppe und die gemeinsame Arbeit erlebt.

Herr G., (FAB-AZ: 224/10), zeigte von Anfang an deutliche Bemühungen, sich in der Gruppe zu integrieren, tat sich aber wegen 'Sprachverständnisschwierigkeiten' und einer eher arrogant und verschleiernd/undurchsichtig wirkenden Art insgesamt schwer. Später im Verlauf gab es zwischen ihm und Herrn Lu. persönliche Streitigkeiten, die in die Gruppe mit hinein gebracht wurden. Die Klärung konnte dann aber auf außerhalb der Gruppe verlegt werden und störte nicht weiter den reibungslosen Ablauf. (Allerdings änderten sie die Sitzordnung, um nicht mehr nebeneinander sitzen zu müssen...).

 

Während des Moduls „Aggressionsbewältigung (AB)“ wurde, neben der Vorstellung und Gelegenheit zur Integration der neuen Teilnehmer, an geeigneten Stellen auch die Vorstellung ihrer beiden „persönlichen Lebensmuster“ und später auch die beiden „Deliktszenarios“ nachgeholt. Sie absolvierten dies mit gutem Erfolg.

Das Modul „Aggressionsbewältigung (AB)“, für das im Skript generell etwa 12 Doppelstunden vorgesehen sind, erstreckte sich daher auf eine längere Zeitspanne und wurde konkret erst am 19.5.2011 beendet.

 

Das folgende Modul „Nicht-kriminelles Denken (NKD)“ startet konkret am 9.6.2011.

 

Die Teilnehmer zeichnen sich durch relativ häufige Nachfragen bzw. hohes Diskussionsbedürfnis aus, was nicht immer zugelassen werden kann, um die Struktur des vorgegebenen Skripts halten zu können. Das Bemühen der beiden Trainer ist, Verständnisfragen und der Vertiefung des Wissens dienende Diskussionen/Nachhaken natürlich zuzulassen, sofern möglich, aber ansonsten der Umsetzung der vorgegebenen Struktur Priorität zu geben.

 

Der Lernzuwachs sowie die allgemeine Motivation der Teilnehmer schwanken zwar, sind aber nach wie vor als ausreichend bis gut zu bezeichnen.

Insbesondere die begleitende Einzeltherapie des narzisstisch geprägten Teilnehmers, Herr Lu., hat sich als hilfreich und teilweise positiv regulativ erwiesen. Zwei weitere unterstützende Einzeltherapien finden parallel statt. Sie ermöglichen den Teilnehmern, Persönliches aufzuarbeiten und/oder gezieltere Fragen z.B. aus der eigenen Geschichte zu bearbeiten.

Besonders Herr D. profitiert hiervon und wird insgesamt gesehen dank seiner guten Fähigkeit zu Tiefe und Selbstreflektion immer wieder als Gewinn für die Arbeit in der Gruppe erlebt. Er und ein weiterer Teilnehmer, Herr E., sorgen manchmal sichtlich für Ausgleich, Harmonie und gute Zusammenarbeit in der Gruppe.

Über Herrn H. bleibt im Moment zu sagen, dass er als einziger signalisiert, dass die Gruppe seiner Meinung nach bald zu Ende sein möge, da er Vieles schon wisse bzw. nicht brauche. Gerade diese ihm eigene Haltung wird mit ihm in der Einzeltherapie stark hinterfragt.

Das gerade beendete Modul „Aggressionsbewältigung (AB)“ wurde als sehr wichtig und hilfreich erachtet, da es fest gefahrene Muster bei den Klienten beleuchten und herausstellen konnte, diese zum Nachdenken und zu Veränderung anregen konnte.

Hierfür war es aber sichtlich nötig, ständige Wiederholungen zu fordern, Wissen spontan abzufragen usw. – um herauszufinden, was tatsächlich behalten und verstanden wurde.

Die Teilnehmer neigen dazu, sich zu überschätzen und Probleme (oft auch ungewollt) zu beschwichtigen.

Ohne das vertiefende Vorgehen wäre, so die Erfahrung der beiden Trainer, einiges an Lernzuwachs über konkrete Strategien der Aggressionsbewältigung nicht verinnerlicht worden.

 

Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Behandlungsabteilung usw. hat sich immer mehr zur Routine entwickelt und das BPG hat sich weiter ins Gesamtbild etabliert.

 

 

Das Programm ist nun zu weniger als zwei Drittel absolviert – das Ende ist noch nicht konkret abzusehen. Das wichtige Modul „Opferempathie (OE)“ ist alleine schon mit weiteren 20 Sitzungen per Skript anberaumt.

Sehr wahrscheinlich wird das Programm daher, auch ohne etwaige Störungen im Verlauf, nicht mehr 2011, sondern erst 2012 abgeschlossen werden können.