Gefängnis will Therapien für Sex-Täter (morgenweb.de)
Mannheimer Morgen - 31.10.2007
Gefängnis will Therapien für Sex-Täter
Justizvollzugsanstalt richtet spezielle Abteilung ein
Land unterstützt Pilotprojekt
Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm
Sexualstraftäter können im Mannheimer Gefängnis künftig in einer
speziellen Therapieabteilung behandelt werden. Damit soll das
Rückfallrisiko nach ihrer Freilassung sinken. Das Land
Baden-Württemberg finanziert das Modellprojekt mit 70 000 Euro in zwei
Jahren.
Zudem unterstützt die "Behandlungsinitiative Opferschutz" den
Versuch.
Bisher sieht es im Mannheimer Gefängnis ganz anders aus: Eine eigene Behandlung für Sexualstraftäter gibt es nicht, die Männer kommen nach Ende ihrer Haft oft "untherapiert" auf freien Fuß. Dabei "wächst das Bedürfnis nach Therapie", sagt Romeo Schüssler, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA). Studien hätten ergeben, dass das Rückfallrisiko mit Therapien deutlich gesenkt werden könne. Das Programm solle schließlich dem Schutz der Allgemeinheit dienen, es richtet sich nur an solche Häftlinge, die schon in der Mannheimer JVA einsitzen.
Über zehn Plätze kann Schüssler künftig verfügen. "Damit kommen wir vorerst gut hin", sagt der Anstaltschef, denn von den rund 70 Sexualstraftätern in der JVA kämen nur wenige für die Therapie in Betracht. Die ganz schwierigen Fälle sollen weiterhin zur Behandlung in die Anstalt Hohenasperg, die anderen müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: neben Deutschkenntnissen zählt dazu die Bereitschaft zur Mitarbeit, denn gegen seinen Willen könne niemand therapiert werden.
Zwei Anstalts- und ein externer Psychologe übernehmen die zweijährige Betreuung. Darin sollen die Häftlinge in mehreren Schritten lernen, ein Leben ohne Straftaten zu führen. Für das Modellprojekt hat Schüssler einen eigenen Trakt außerhalb des Haupthauses eingerichtet, samt Zellen, Küche und Gruppenraum. Das sei wichtig, schließlich müssten sich die Sexualstraftäter für die Therapie zu ihren Taten bekennen - von anderen Häftlingen müssten sie dann aber Repressalien fürchten.
Möglich wurde das Programm erst durch die "Behandlungsinitiative
Opferschutz". Die Gruppe aus Juristen, Vollzugsangehörigen, Psychologen
und anderen Berufsgruppen setzt sich für verstärkte Therapien ein, weil
nur so der Opferschutz verbessert werden könne. Der Landtag regierte
auf das Werben und stellt 200 000 Euro bereit, von denen 70 000 nach
Mannheim fließen.
Zudem unterstützt die Initiative auch selbst finanziell das Pilotprojekt in Mannheim.
Romeo Schüssler möchte die Behandlung der Sexualstraftäter auch nach dem Ablauf der zwei Jahre fortführen. Schließlich liegt das Programm auf seiner Linie, solche Insassen gezielt zu unterstützen, die auch selbst Bereitschaft zur Besserung zeigen.
Copyright © www.morgenweb.deErscheinungsdatum 31. Oktober 2007
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