Beim Menschen geht es nicht wie... (stuttgarter-zeitung.de)
Beim Menschen geht es nicht wie bei der Autoreparatur
Bundesweites
Pilotprojekt startet im Heimsheimer Gefängnis - Lob für die besonderen
Therapieansätze und Lacherfolg für den Bürgermeister
Heimsheim.
In der Justizvollzugsanstalt ist gestern ein bundesweit einzigartiges
Projekt vorgestellt worden: Gewalttäter sollen intensiv therapiert
werden - und so ihre Zukunft in den Griff bekommen. Hochrangige
Justizpolitiker und Experten haben sich dazu in Heimsheim getroffen.
So
viel Justiz ist selten in einem Gefängnis versammelt:
Generalstaatsanwälte, Richter, Justizpolitiker aller Couleur aus dem
Landtag waren nach Heimsheim gekommen, um den Startschuss für ein
besonderes Konzept zu geben. Schwere Gewalttäter, Mörder und
Totschläger sollen ab Januar intensive Therapie erfahren. Der Verein
Behandlungsinitiative Opferschutz hat das baden-württembergische
Projekt ins Leben gerufen, das gleichzeitig noch in den Gefängnissen
Mannheim und Heilbronn startet - dort allerdings mit Sexualstraftätern
und leichten Gewalttätern (siehe auch Seite 8).
Gruppentherapien
und eine regelmäßige psychotherapeutische Betreuung nach der Entlassung
sollen Straftäter davon abhalten, später wieder gewalttätig zu werden.
Die Psychotherapeutin Maria-Friederike Köhler gestaltet das Programm
mit. Die 38-jährige hat in Jena und Leipzig Psychologie studiert und
wird künftig an drei Tagen in der Woche zunächst acht Gewalttäter in
Heimsheim betreuen. Sie hat schon vorher als Psychologin in der
Sozialtherapie, im Strafvollzug und im Maßregelvollzug gearbeitet. Neu
ist für sie eher, aus der bundesdeutschen Hauptstadt in die schwäbische
Idylle zu ziehen. "Aber es fängt schon an, mir hier zu gefallen", sagt
sie lächelnd, "sonst würde ich schließlich nicht herkommen." An dem
Behandlungsprogramm waren mehrere baden-württembergische
Justizvollzugsanstalten interessiert. Wieso ist die Wahl aber neben
Mannheim und Heilbronn auf Heimsheim gefallen? "Das hat im Wesentlichen
zwei Gründe, erklärt Richter Klaus Michael Böhm vom Oberlandesgericht
Karlsruhe von der Behandlungsinitiative Opferschutz. "Es gibt hier
einen entsprechenden Bedarf, andererseits haben wir in Heimsheim schon
hervorragende Therapeuten mit viel Erfahrung." Diese Erfahrung in
Heimsheim rührt nicht zuletzt daher, dass die Heimsheimer
Anstaltspsychologen schon seit fast zehn Jahren ähnliche
Gruppentherapien für Sexualstraftäter anbieten.
Die
Ansätze zur Therapie für Gewalttäter sind ähnlich. "Die Täter müssen
die Behandlung wollen, sich mit ihren eigenen dunklen Seiten
auseinandersetzen", sagt der Psychologe Bert Mäckelburg vom Heimsheimer
Gefängnis. "Sie müssen erkennen, wie sie zum Täter geworden sind." Das
sei aber nicht wie eine Autoreparatur. Man könnte nicht einfach Teile
eines Menschen austauschen.
Ein besonderes aufeinander
abgestimmtes Therapiekonzept sei in dieser Art bundesweit einzigartig.
"Bei Vergewaltigungen wissen wir, dass nach solchen Therapien die Zahl
der Rückfälle von etwa 40 Prozent auf 5 Prozent sinken kann", sagt der
Richter Klaus Michael Böhm. Neben all den juristischen und politischen
Schwergewichten, die sich gestern in der Justizvollzugsanstalt trafen,
machte der Heimsheimer Bürgermeister Uwe Rupp eine gute Figur.
Er
hatte die Lacher auf seiner Seite, weil er das Gefängnis mit seinen 500
Insassen als "Heimsheimer Höhenstadtteil" anpries. Tatsächlich sei die
"JVA mittlerweile fester Bestandteil unserer Schleglerstadt", sagte
Rupp auch mit Blick auf die vielen ehrenamtlichen Initiativen, die den
Knastalltag erhellen.
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