Am 22. Juni 2010 hat der SWR in der Landesschau einen aktuellen Beitrag zur Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V., dem am 3. März 2009 dem Bundesministerium der Justiz vorgelegten BIOS-Memorandum sowie der BIOS-Behandlungsabteilung für Sexualstraftäter in der JVA Mannheim ausgestrahlt.
Eine zielgerichtete Therapie für Gewalt- und Sexualtäter kann die Rückfallquote deutlich verringern, das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Deshalb ist eine Therapie als Ergänzung zum Regelstrafvollzug so wichtig, meint die "Behandlungs-Initiative Opferschutz". So kann auch der Opferschutz deutlich verbessert werden, denn ein Verbrechen, das nicht begangen wird, hat keine Opfer. Richter, Staatsanwälte, aber auch Psychiater, Psychotherapeuten und viele mehr engagieren sich in der Initiative Opferschutz - die Landesschau stellt sie vor.
Opferschutz – Hilfe für „tatgefährdete” Männer in der Forensischen Ambulanz in Karlsruhe
Wie kann sexueller Missbrauch von Kindern verhindert werden? Diese Frage diskutieren Experten, die am Runden Tisch der Bundesregierung über „Prävention“ nachdenken. Ein neuer Ansatz ist, Männer zu therapieren, die befürchten, sie könnten sich an einem Kind vergehen. Bekannt ist das Projekt „Kein Täter werden“ der Berliner Charite. Weniger bekannt ist, dass es auch in Karlsruhe ein Angebot für sogenannte „Tatgeneigte“ gibt, in der „Forensischen Ambulanz Baden“.
Behandlung von Tatgeneigten jetzt auch in Baden-Württemberg
Am 2. Juni 2008 wurde im Amtsgericht Karlsruhe die von der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. und dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch getragene Forensische Ambulanz Baden (FAB) eröffnet und mit einem Festakt in Anwesenheit des Justizministers von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Goll, am 11. November 2008 offiziell eingeweiht. Dort und an mehreren Behandlungsstützpunkten im Lande führen die Ärzte und Therapeuten der FAB seither rückfallreduzierende psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen in derzeit 182 Fällen vor allem bei abgeurteilten Straftätern, aber zunehmend auch bei polizeilich oder ansonsten auffällig gewordenen Personen bzw. bei reinen Tatgeneigten (Charité-Fälle) durch. Zentrales Anliegen der Ärzte und Therapeuten der FAB ist dabei der Opferschutz, denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wird durch eine indizierte psychotherapeutische Behandlung das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert. Seit 1. Januar 2010 bieten wir zudem eine Akutversorgung traumatisierter Opfer von Gewalt- und Sexualstraftaten an.
Neben der psychotherapeutischen Behandlung von abgeurteilten Straftätern finden in der FAB aber auch zunehmend Patienten eine Anlaufstelle, welche bislang nicht wegen einer Straftat gerichtlich abgeurteilt wurden und wegen ihrer Neigungen psychologischer Hilfe bedürfen. Zum einen melden sich diese - natürlich unter Wahrung ihrer Anonymität und kostenfrei selbst (reine Tatgeneigte) oder werden von Behörden, Sozialträgern, gemeinnützigen Einrichtungen, Ärzten, Rechtsanwälten in unsere mehrmals wöchentlich stattfindenden Sprechstunden vermittelt. Insoweit ist die FAB mit ihrem Programm "Keine Gewalt- und Sexualstraftat begehen” eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland mit einem solchen rein präventiven Angebot.
Weitere Einzelheiten können Sie hier dem erstellten Bericht mit dem Titel:
Behandlungsabteilung für Gewaltstraftäter in der
Justizvollzugsanstalt Bruchsal nimmt ihre Arbeit auf
Gemeinsam mit der JVA Bruchsal hat BIOS ein Programm zur Behandlung von Gewaltstraftätern zur Einrichtung einer dauerhaften Behandlungsgruppe von zunächst sechs Gefangenen entwickelt. Die Finanzierung der Behandlungsgruppe erfolgt aus BIOS Vereinsmitteln.
Am 21.4.2010 hat die neue Abteilung ihre Arbeit aufgenommen Die offizielle Einweihung soll im Herbst 2010 in Anwesenheit des Justizministers von Baden-Württemberg, Prof. Dr.Ulrich Goll, erfolgen.
Mehr hierzu finden Sie unter Modellversuche-JVA Bruchsal. Das Behandlungsprogramm BPG ist unter BIOS-Fortbildung einegstellt.
Ab 1.1.2010 wird in der
Forensischen Ambulanz Baden
jeden Mittwoch ab 13.00 Uhr eine regelmäßige Opfersprechstunde durchgeführt.
Mehr unter FAB-Akutversorgung Opfer
Am Dienstag, den 12.1.2010, strahlte das NDR-Fernsehen eine Dokumentation mit dem Titel "Sexobjekt Kind" aus, in welcher auch über die Behandlungsinitiative Opüferschutz (BIOS-BW) e.V. und das am 3.3.2009 dem Bundesministerium der Justiz vorgelegte "BIOS-Memorandum" berichtet wurde (vgl. zur Disskussion hierüber unter: BIOS-Memorandum - Diskussion).
Das Versagen staatlicher Systeme
Das ursprüngliche Konzept für die Dokumentation "Sexobjekt Kind" sah vor, die Arbeit der "Jäger", also der Ermittler bei Staatsanwaltschaft Kriminialpolizei, und die "Gejagten", Täter und Pädosexuelle, zu zeigen. Beziehungsweise den enormen Vorsprung der "Gejagten" aufzudecken. "Eine oberflächliche Betrachtungsweise" wie Autor Sebastian Bellwinkel heute findet.
Denn seine Recherchen für 45 Min haben ergeben, dass der Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt in Deutschland systembedingt auf mehreren Ebenen versagt. "Ich habe Missstände entdeckt, die ich nicht mal erahnt hätte und die auch vielen Zuschauern sicherlich noch unbekannt sein dürften", so der Journalist.
Das Gesundheitswesen ist nur unzureichend auf die Behandlung von Pädophilen eingestellt.
Durch Mängel im Strafrecht bekommen die häufig psychisch kranken Sexualstraftäter kaum eine medizinisch-psychologische Betreuung. Nach verbüßter Haft verlassen sie die Gefängnisse "wie tickende Zeitbomben", so Bellwinkel.
Auch in Deutschland werden Kinder als Sexobjekte gehandelt. Kaum jemand nimmt das wahr oder bekämpft diesen Zustand.
Das Strafrecht in Deutschland versagt, weil Sexualstraftäter vor Gericht nicht auf ihre Gefährlichkeit und ihre Therapierbarkeit hin untersucht werden. Wenn ein Richter ein Gutachten zu einem Täter einholt, wird nur die Frage der Schuldfähigkeit geklärt. Das heißt, es geht nur um den Blick zurück: Was hat er getan und wie ist diese Tat zu sanktionieren. Wie Taten in der Zukunft verhindert werden können, ist dagegen keine Frage.
Das Strafrecht in der Schweiz ist da weiter: Im Kanton Zürich werden Sexualstraftäter vor Gericht auf ihr Risikopotential hin untersucht und sofort in eine Therapie überwiesen. Das Ziel: zukünftige Taten vermeiden. Das Zürcher Modell ist sehr erfolgreich: Studien zeigen, dass die Rückfallgefahr um 50 Prozent gesenkt werden kann. Das bedeutet deutlich weniger Opfer.
Versagen der Politik
Obwohl dem Bundesjustizministerium das Schweizer Modell bekannt ist, geschieht nichts. Auch dem Bundesgesundheitsministerium und der Bundesärztekammer liegen Vorschläge vor, wie unterschiedliche Mängel zu beseitigen wären, ohne dass etwas passiert. Die Frage, warum das so ist, hat gegenüber "45 Min" niemand beantwortet.
In manchen Fällen kostet der effektive Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt schlicht mehr Geld, um Ermittler, Sozialpädagogen, Präventionsprojekte besser auszustatten. Die rechtzeitige Therapie von Sexualstraftätern wäre eine präventive Maßnahme und würde am Ende sogar Geld sparen, denn neben dem Opferleid sind die Kosten für Inhaftierung, Therapie und anderes deutlich höher.
Die von der früheren Bundes-Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) initiierte Internetsperre gegen Kinderpornographie ist umstritten. Viele Kritiker sagen, es sei sinnvoller, die Seiten im Internet ganz zu löschen anstatt diese nur zu sperren. So argumentiert auch die FDP, die die Umsetzung des Gesetzes in der schwarz-gelben Regierungskoalition blockiert.
Einige Ermittler meinen jedoch, eine solche Internetsperre sei immerhin ein Anfang und könne die dümmsten Kinderporno-Nutzer davon abhalten, auf die Seiten zu gelangen. Die technische Umgehung der Sperre sei zwar möglich, einige schlichte Gemüter zumindest seien damit aber überfordert.
Die NDR-Dokumentation ist nunmehr in der NDR-Mediathek "Sendungen 45 Minuten"
unter Sexobjekt Kind eingestellt und kann durch Anklicken dieses Links angesehen werden.
Auch können auf der NDR-Homepage Zuschauerreaktionen nachgelesen werden.
Bild-Quelle: NDR Mediathek
Die am 12.01.2010 im NDR-Fernsehen ausgestrahlte Reportage "Sexobjekt Kind" wurde wegen des großen Erfolges der Erstausstrahlung in leicht veränderter Fassung am 19.04.2010 im ARD-Fernsehen um 21.00 Uhr wiederholt.
Am 15.10.2009 hat die Forensische Ambulanz Baden (FAB) ihreren ersten "Tag der justizoffenen Tür - Forensische Ambulanz Werkstatt im Landgericht Karlsruhe unter großer Beteiligung durchgeführt. Die gehaltenen Fachbeiträge werden demnächst hier eingestellt.
Tätigkeitsbericht anlässlich des 1. Jahrestages der Gründung erschienen.
Am 2. Juni 2008 wurde im Amtsgericht Karlsruhe die von der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. und dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden (PZN) in Wiesloch getragene Forensische Ambulanz Baden (FAB) eröffnet und mit einem Festakt in Anwesenheit des Justizministers von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Ulrich Goll, am 11. November 2008 offiziell eingeweiht.
Dort und an mehreren Außenstellen im Lande führen die Ärzte und Therapeuten der FAB seither rückfallreduzierende, psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen durch - in derzeit 83 Fällen, vor allem bei abgeurteilten Straftätern, aber zunehmend auch bei polizeilich oder ansonsten strafrechtlich auffällig gewordenen Personen bzw. bei reinen Tatgeneigten (Charité-Fälle).
Zentrales Anliegen der Ärzte und Therapeuten der Forensischen Ambulanz Baden ist dabei der Opferschutz, denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wird durch eine indizierte, psychotherapeutische Behandlung das Risiko eines Rückfalls deutlich reduziert. Auch ist ein Angebot zur Akutversorgung traumatisierter Opfer von Gewaltstraftaten im Aufbau, wobei in Einzelfällen auch bereits jetzt beratende Maßnahmen durchgeführt werden können.
In vielen Fällen gestaltet sich die Suche nach einem externen Kostenträger ausgesprochen schwierig. Insbesondere bei abgeurteilten Gewaltstraftätern und bei rein präventiven Behandlungsmaßnahmen ist oftmals keiner vorhanden, weshalb die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. als beim Oberlandesgericht Karlsruhe ansässiger gemeinnütziger Verein bereits in mehreren Fällen die erheblichen Kosten der Behandlung aus ihren Vereinsmitteln übernommen hat oder eine solche Übernahme konkret vorgesehen ist.
Tätigkeitsbericht
der Forensischen Ambulanz Baden
anlässlich des 1. Jahrestages der Gründung am 2. Juni 2008
(Stand: 2. Juni 2009) Tätigkeitsbericht PDF
Die Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS-BW) e.V. und die
Sozialtherapeutische Anstalt Baden-Württemberg führen eine Fortbildung
zum Thema
„Die deliktorientierte Einzeltherapie
bei gefährlichen Gewalt- und Sexualstraftätern“
durch.
Die Veranstaltung findet am 19.06.2009 von 9.00 Uhr bis 17.45 Uhr
im Polizeipräsidium Karlsruhe, Beiertheimer Allee 16,
76137 Karlsruhe, Großer Saal, 4. OG statt.
Als Referenten konnten Dr. med. Frank Urbaniok und Dipl.-Psych. Edgar Blawatt vom Psychiatrisch Psychologischen Dienst
in Zürich (PPD) gewonnen werden.
Die Tagung richtet sich vor allem an freiberuflich tätige
Psychologische Psychotherapeuten sowie im Straf- und Maßregelvollzug
in Baden-Württemberg tätige Psychologen.
Die Fortbildung wird zertifiziert.
Bitte wenden sich Sie sich auch an uns, wenn Sie als ärztlicher oder
psychologischer Psychotherapeut Interesse an einer Mitarbeit in der Forensischen Ambulanz Baden haben.